06.04.2020, von Christopher Isensee

THW-Mann aus Salzgitter arbeitet im Corona-Krisenstab des Landes

Wenn irgendwo in Niedersachsen eine Notklinik aufgebaut oder Schutzkleidung verteilt wird, sind höchstwahrscheinlich Volker Nowak aus Gebhardshagen und seine Kollegen beteiligt

Salzgitter. Die Jahrhundertfluten 2002 und 2013 hat er hinter sich gebracht, als sintflutartige Regenfälle die Flüsse über die Ufer treten ließen. Beim großen Moorbrand von Meppen war er in der Einsatzleitung. Er und seine Kollegen räumten auf, als Orkane das Land verwüsteten. Doch auch Cyril, Lothar oder Friederike sind nicht vergleichbar mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie, sagt Volker Nowak. „Eine Aufgabe in dieser Größenordnung habe ich noch nicht erlebt." Der Chef des Technischen Hilfswerks (THW) in Salzgitter muss es wissen. Er sitzt mitten im Auge des Orkans.

Seit zwei Wochen gehört der 59-Jährige aus Gebhardshagen, der sich seit 42 Jahren ehrenamtlich beim THW engagiert, zum Krisenstab der niedersächsischen Landesregierung. Im Gebäude des Innenministeriums in Hannover laufen alle Nachrichten ein, er ist der Verbindungsmann zum Landesverband des Hilfswerks und gibt die Wünsche und Aufgaben weiter an seine Kollegen. Schutzmasken müssen/ aus dem zentralen Lager in ein Krankenhaus — eine Aufgabe für Nowak und seine Kollegen. Materialien für eine Notklinik werden gebraucht — das THW transportiert sie.

Nowak sitzt neben Vertretern aus allen Landesministerien, neben Verbindungsleuten der Bundeswehr, Landespolizei und der Feuerwehr. Verteilt auf mehrere Räume und natürlich mit gebührendem Abstand. Insgesamt sind es 22 Personen. „Leute, die wissen, wovon sie reden.“

Doch auch dort ist die Anspannung angesichts der Herausforderung groß. „Jeder weiß, wie ernst die Lage ist.“ Hin und wieder braucht es einen Scherz, um zu verhindern, dass der Druck übergroß wird. Hat Nowak Angst? „Angst? Nein. Aber Respekt.“

 

Schutzausrüstung hängt fest

Jeden Morgen verschafft sich der Stab einen Überblick über die Lage. Was wird wo im Land gebraucht? Im Krisenstab kommen die Hilfe-Ersuche aus Landkreisen und Städten an. Vor allem Schutzausrüstung ist bekanntermaßen eine Mangelware, die mittlerweile zu internationalen Spannungen zwischen den Staaten führt. Das Land versucht Ausrüstung zu beschaffen. Doch viele Lieferungen hängen fest. Zudem ist der Stab zuständig für die Planung für zusätzliche Testzentren, in denen Menschen auf eine Infektion mit Sars-Co V-2 untersucht werden. Da sind Fragen zu klären wie: Was brauche ich für mobile Testzentren: Container etwa und Strom- Aufgaben, für die das THW zuständig ist. Von 8 bis 18 Uhr dauern die Schichten. „Aber viele bleiben länger – eben so lange wie nötig. Manche kriechen abends nach Hause – und stehen am nächsten Tag wieder früh auf der Matte. Alle tun, was in ihren Kräften steht.“ Mit Einsatz und Hingabe.

Und wenn eine weitere Aufgabe bewältigt ist, fühlt auch der alte THW-Hase Nowak so etwas wie Stolz. „Jeden Tag erreicht man etwas zusammen. Es ist anstrengend – aber auch interessant“, sagt er. Umso wichtiger sei es, den Kopf auch mal wieder freizukriegen. Nach einer Woche frei. Nachrichten über Corona liest er dann so wenig wie nötig.

Eigentlich wollte der Ruheständler bald in den Urlaub fahren. Italien war das Ziel. Abgesehen davon, dass Reisen aktuell ohnehin nicht angesagt sind: „Ich könnte nicht die Beine hochlegen, wenn Menschen leiden."

Nowak gehört zu den wenigen Ehrenamtlichen des Technischen Hilfswerks im Land, die die notwendige Qualifikation für die Arbeit auf einer solchen Ebene haben. Fachberater Stufe 3 und 4 nennt sich diese. Damit dürfte er im Krisenfall sogar beim Bundesinnenministerium tätig sein.

 

Einschränkungen „sind nötig"

Nowak ist es wichtig, dass die Bürger wissen: „Die Kontaktsperren sind wirklich nötig." Umso verwunderter ist er, wenn er auf der Rückfahrt nach Hause Gruppen junger Leute sieht, die sich an die Vorgaben nicht halten. Umso weniger kann er diejenigen verstehen, die bereits nach Lockerungen rufen.

Aus Hannover hat er auch einen guten Blick auf seine Heimatstadt. Dort sei die Lage noch verhältnismäßig ruhig und die Zahl der Infizierten im Landesvergleich überschaubar. „Hildesheim beispielsweise steht da anders da. " Dort liege die Zahl bereits bei knapp 200 Betroffenen. In der Stahlstadt wurden am Samstag 64 bestätigte Fälle der Corona-Infektion gemeldet, von denen 36 Personen als nicht mehr infektiös und genesen gelten.

Am heutigen Montag geht es für ihn wieder nach Hannover. Dann erhält er Unterstützung von weiteren Kollegen des THW Falls jemand krankheitsbedingt ausfallen sollte. Weitere Fachleute stehen als Ersatz bereit. „Es ist beruhigend, wie viele Spezialisten es gibt."

 

Quelle: Salzgitter Zeitung / Erik Westermann


Quelle: Salzgitter Zeitung / Bernward Comes