09.05.2015, von Holger Neddermeier, Salzgitter Zeitung

Ein Heizkessel sorgt für die Katastrophe

Salzgitter-Bad. Zwei THW-Jugendgruppen retten bei einer Übung eine Schülergruppe.

Die Stille in der Straße Am Nordholz wird am Samstagmittag jäh unterbrochen. Hilfe- und Schmerzensschreie sind aus einem leerstehenden Gebäude zu hören. Bei näherem Hinsehen erkennt man dass Rauch aus dem Haus quillt. Mehrere Menschen scheinen sich in einer Notlage zu befinden und auf Hilfe angewiesen zu sein.

Davon müssen die 19 jungen Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) jedenfalls ausgehen. Das alles klingt sehr dramatisch, ist es aber nicht. Die THW-Jugendgruppen aus Salzgitter und Wolfenbüttel proben auf einem Abrissgelände nur den Ernstfall. „Diese Übungen sollen so realitätsnah wie möglich sein“, sagt Jugendbetreuer Nils Loest von der Wolfenbütteler THW-Jugendgruppe. Die jungen Leute im Alter von 10 bis 16 Jahren sollen behutsam auf Einsätze vorbereitet werden.

Und so bewahren die jungen Retter auch an diesem Übungstag die Ruhe und gehen planmäßig vor. Eilig, aber nicht hektisch durchkämmen sie in Gruppen das unübersichtliche Gelände mit mehreren einstöckigen Blöcken.

Nach 20 Minuten ist das erste, völlig desorientiert wirkende Opfer entdeckt. Es wird aus der Gefahrenzone geholt und versorgt. Immer wieder will die verletzte junge Frau zurück. Sie sucht ihre Freundin. Schwerstarbeit für die, die sich unmittelbar kümmern und sie beruhigen wollen.

Nach gut einer Viertelstunde wird die zweite Person in einem Keller entdeckt. Bleich und mit blau unterlaufenden Augen. Verdacht auf Schädelbasisbruch. Und noch weitere Personen sind in einem Raum eingeschlossen. Die Explosion eines Heizkessels hat sie in die missliche Lage gebracht.

Nach einer Übung wird alles auf Video angeschaut. „Manöverkritik ist sehr wichtig“, sagt Jugendbetreuer Ludwig Hackl vom Ortsverband Salzgitter.

Einen Film gedreht haben an diesem Tag auch sechs Schüler, Sozialarbeiter und Pädagogen der Wolfenbütteler Moreno-Schule. Auf der Förderschule, Träger ist die Mansfeld-Löbbecke-Stiftung, werden Schüler mit Defiziten in der emotionalen und sozialen Entwicklung unterrichtet. Für ein Projekt haben die Schüler den Kurzfilm mit dem Arbeitstitel „Hashtag“ aufgenommen.

„Das ist eine coole Sache“, sagt Schülerin Franziska und wird dabei von Nils Loest mit „Theaterfarbe“ und Knetmasse „verunstaltet“. Mit viel Blut und einer üblen Wunde am Finger. „Ich ekele mich überhaupt  nicht“, sagt sie. „Schmeckt sogar ganz gut das Blut“, lacht Maximilian: „Und tut überhaupt nicht weh“, ergänzt Mitschüler Pascal.

Auch Mitschüler und Lehrer sehen nicht gerade wie das blühende Leben aus. Von einfachen Platzwunden über deformierte Nasen bis hin zu einem Oberschenkelhalsbruch reicht die gruselige Palette der „Verletzungen“.

Die Story in Kurzform: Eine recht „durchgeknallte“ Schülergruppe fährt auf Klassenfahrt. Die Jugendherberge entpuppt sich als Bruchbude. Am Ende ist es ein Heizkessel, der für die muntere Schülergruppe die Katastrophe herbeiführt. Die Gasexplosion führt dazu, dass die Opfer vom THW gerettet werden müssen. „Ein tolles Ergebnis“, sagt Projektleiterin Anja Zigelski: „Die Schüler können schauspielern – und das fast ohne Drehbuch.“


Quelle Bericht: Salzgitter Zeitung